VSLT e.V.
Verband der Schulaufsicht des Landes Thüringen
Verbandstag zum 20. Gründungsjubiläum
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Der Verbandstag anlässlich des 20. Gründungsjubiläums des
VSLT stand ganz im Zeichen des Ringens um eine auch in den nächsten Jahren
funktionsfähige Thüringer Schulaufsicht. Vor dem Hintergrund drastischer
Personalkürzungspläne des Thüringer Kultusministers hatte der Verband den
führenden deutschen Rechtswissenschaftler auf dem Gebiet des Schulrechts und
der Bildungsverwaltung, Prof. Dr. H. Avenarius, aus Frankfurt/Main als Festredner
und zugleich Fachreferenten eingeladen.
Vor den knapp 60 Zuhörern begründete Prof. Avenarius
ausführlich, weshalb er auch bei zunehmender Eigenverantwortung der
Einzelschule und deren Arbeit mit Zielvereinbarungen und nach Schulprogrammen
eine funktionstüchtige staatliche Schulaufsicht für unabdingbar hält. Ohne sich
in die aktuelle Auseinandersetzung zwischen VSLT e.V. und TMBWK einmischen zu
wollen, ließ Prof. Avenarius keinen Zweifel daran, dass die Bestimmung des
Thüringer Schulaufsichtsgesetzes, wonach in der Schulaufsicht nur einschlägig fachlich
ausgebildete und berufserfahrene Beamtinnen und Beamte hauptamtlich tätig sein
sollen, eine unmissverständliche Richtungsweisung für die Personalausstattung
der unteren Schulaufsicht bedeute.
Wie Avenarius äußerte auch der
stellvertretende Bundesvorsitzende der Konferenz der Schulaufsicht Deutschlands, Dr.
Wolfgang Bott, in seinem Grußwort erhebliche Bedenken hinsichtlich der
Erfüllbarkeit des Grundgesetzauftrages, wenn in Thüringen künftig nur noch 35
statt wie bisher 87 Fachbeamte den Kern der Dienst- und Fachaufsicht über das
gesamte Schulwesen bilden würden.
Anders als noch zum 15. Gründungsjubiläum, als der Verband
den Hauptprotagonisten der Dialogischen Schulaufsicht, Staatssekretär a.D.
Hermann Ströbel, für sein engagiertes Wirken mit der Ehrennadel der
Schulaufsicht in Silber auszeichnen konnte, war zum 20. Verbandstag niemand aus
der politischen Führung des TMBWK der Einladung gefolgt. Die Teilnehmer der
Veranstaltung hatten dafür wenig Verständnis, zumal der Thüringer Beamtenbund
erst im Vorjahr mit der Landesregierung eine Beteiligungsvereinbarung
abgeschlossen hatte, die Grundlage für eine sachliche Zusammenarbeit zwischen
tbb und seinen Fachgewerkschaften und der
Landesregierung bildet.
Der
Landesvorsitzende des tbb, Helmut Liebermann, stellte in seinem Grußwort
nochmals die Bedeutung des Grundvertrauens der Beamtenschaft in seine politische
und administrative Führung als wesentlichem Teil des besonderen
Treueverhältnises und Grundlage für eine gut funktionierende öffentliche
Verwaltung heraus.
In ihrer mit großem Beifall aufgenommenen Festgansprache blickte die Landesvorsitzende, Frau Dr. Ute Bräutigam, auf die zwanzig zurück liegenden, erfolgreichen Jahre des Wirkens des VSLT e.V. zurück und und setzte sich zugleich kritisch mit der gegenwärtigen Umbruchsituation auseinander. In ihrem Rückblick würdigte sie die Aufbauleistungen der Verbandsmitglieder der ersten Stunde (Bild1, Bild2) und erläuterte die vielfälltigen Aktivitäten des Verbandes in den letzten zwei Jahren zur Erhaltung einer auch in Zukunft funktionsfähigen unteren Schulaufsicht.
Zum Gelingen der Jubiläumsveranstaltung trugen auch die Musikbeiträge des Gitarrenduos Geschwister Bunk des Weimarer Musikgymnasiums bei, während das Team des Comcenters Erfurt mit warmen und kalten Getränken und Thüringer Klößen zu Mittag für das leibliche Wohl unserer Mitglieder und der Gäste sorgte.
Im Nachmittagsteil der Veranstaltung wurden die Sparvorhaben der Landesregierung nochmals heftig debattiert und der Vorstand bestärkt, in seinen Bemühungen um den Erhalt einer funktionsfähigen und wirksamen unteren Schulaufsicht nicht nachzulassen.
Abgerundet wurde die Veranstaltung schließlich durch die Ehrung langjähriger Mitglieder sowie die Verleihung der Ehrennadel der Schulaufsicht in Silber an die stellvertretende Landesvorsitzende Sylvia Scherbe, die die Interessen der Mitarbeiter über Jahre hin auch im HPR des Ministeriums vertreten hat und in Gold an die beiden Vorstandsurgesteine Monika Bittner, in 6 Wahlperioden gewissenhafte und zuverlässige Schriftführerin und Norbert Obbarius, seit 19 Jahren einer der Organisatoren der Verbandsarbeit.
Rückblick:
Die meisten unserer Mitglieder erinnern sich noch an die aufregenden Monate nach den ersten freien Kommunalwahlen in der (noch) DDR im Mai 1990 und die in ihrer Folge sich neu konstituierenden Schulaufsichtsabteilungen, mit Schulräten voran, die in den Wochen der Wende an vorderster Stelle die demokratische Erneuerung des Schulwesens in den damaligen drei Südbezirken eingeleitet hatten.
Das Jahr 1990 war das Jahr der Entwicklung neuer Strukturen in der Bildungslandschaft. Neue, unbelastete Pädagogen bildeten den Personalstamm der sich Zug um Zug formierenden Schulämter. Das Land Thüringen erlangte seine Wiedergeburt. Das Thüringer Kultusministerium nahm seine Arbeit auf.
In dieser Zeit entstand der Gedanke, eine berufsständische Organisation zu gründen, die unabhängig von Politik und dienstlichen Abhängigkeitshirarchien die Interessen der Mitarbeiter der Schulaufsicht Thüringens wahrnehmen könnte.
Nach gründlicher Vorarbeit durch eine Gruppe von Initiatoren, daruter Frau Bäßler, Herr Kumpf, Herr Zeuner u.a. fand Anfang Juni 1991 in Weimar die ordentliche Gründungsversammlung des Verbandes statt. 56 Teilnehmer aus 24 Schulämtern beteiligten sich an dieser Veranstaltung . Es wurde der erste Vorstand unter Vorsitz von Herrn Josef Rogge, Schulamtsleiter in Worbis, gewählt und der Name "Verband der Schulaufsicht des Landes Thüringen" aus der Taufe gehoben. Krankheitsbedingt gab Herr Rogge das Amt des Vorsitzenden sehr bald an Herrn Kumpf, Schulamtsleiter in Eisenach ab. Mit seinem Namen sind die Aufbaujahre des Verbandes aufs engste verbunden.
Am 01. Dezember 2006 fand im Gothaer Hotel "Thüringer Waldblick" die Mitgliedervollversammlung
des VSLT e.V. ganz im Zeichen des 15jährigen Bestehens des
Landesverbandes statt. Mehr als die Hälfte aller Mitglieder als auch
ehemaligen Mitstreiter waren zu dieser Veranstaltung erschienen.
Eingebettet in ein kleines musikalisches Programm sprachen während der
Feierstunde der Landesvorsitzende Obbarius, der Staatsekretär im
Thüringer Kultusministerium Eberhardt und als besonderer Gast die
Bundesvorsitzende der KSD Ulrike Weitzel zu den Anwesenden. Den
Abschluss der zweistündigen Festveranstaltung bildete die Auszeichnung der
dienstältesten Mitglieder mit einer Urkunde. Besonders verdienstvolle
Mitglieder wurden mit der silbernen Ehrennadel der Schulaufsicht
gewürdigt. Diese Auszeichnung verlieh der VSLT e.V. auch dem
Staatssekretär a.D. Hermann Ströbel für die langjährige fruchtbare
Zusammenarbeit. Der erste ordentliche und langjährige Vorsitzende
Wolfgang Kumpf erhielt diese Auszeichnung in Gold.
In der Nachmittagssitzung wählten die Mitglieder einen neuen Vorstand und verabschiedeten eine in zahlreichen Punkten modernisierte Satzung.
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Der Landesvorsitzende bilanzierte in seiner Festrede
15 Jahre erfolgreiche Arbeit zum Wohle der Mitglieder und würdigte
deren Leistungen beim Aufbau des demokratischen Schulwesens in
Thüringen. Kontinuität und Innovation neben dem ständigen Bemühen um
die soziale Absicherung aller Mitarbeiter der Schulaufsicht
kennzeichnete er als besondere Merkmale der Arbeit des VSLT e.V.. Das
Prinzip der Dialogischen Schulaufsicht mitentwickelt und in der Arbeit
der Schulaufsicht Thüringen fest verankert zu haben, stellte der
Vorsitzende als bleibenden Verdienst des Verbandes heraus.
In seinem Grußwort
begründete Staatsekretär Eberhardt den im Jahre 2005 eingeleiteten
Paradigmenwechsel in der Arbeitsweise der Thüringer Schulaufsicht mit
dem gewachsenen Anspruch auf die Entwicklung hoher Schulqualität.
Ausgehend vom diese Legislaturperiode bestimmenden Entwicklungsvorhaben
"Eigenverantwortliche Schule" beschrieb Kjell Eberhardt die künftigen
Anforderungen an die Schulämter, die sich gegenwärtig zu
Qualitätsagenturen weiterentwickeln. In seiner Rede bekannte sich der
Staatssekretär sowohl zum Prinzip der Dialogischen Schulaufsicht als
auch zum weitgehenden Erhalt eines flächendeckenden Netzes staatlicher
Schulämter in Thüringen.
Die Vorsitzende der KSD stellte in ihrem Redebeitrag
fest, dass der VSLT e.V. im bundesweiten Vergleich "gut aufgestellt"
sei. Frau Weitzel bewertete die Entwicklung der Schulaufsicht in Lichte
von Pisa und im Spannungsfeld von Föderalismus und
bundeseinheitlichen Bildungsstandarts. Sie sprach sich für mehr
Kontinuität und Chancengleichheit in der Bildungspolitik aus und wies in
diesem Zusammenhang auf die Berliner Erklärung der KSD hin.
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